Lernen wir durch KI endlich, wie man Anforderungen richtig beschreibt?
Martin Zöller
Wenn aus diesem ganzen KI-Wahn eine positive Sache hervorgeht, dann bitte, dass wir jetzt endlich gelernt haben, Anforderungen klar zu beschreiben.
Früher konntest du sagen, dass „wir das Feature jetzt unbedingt brauchen, und zwar genau so, weil der Kunde sonst nicht unterschreibt!“ Nach Wochen hast du dann nicht das bekommen, was du haben wolltest, sondern das, was du gesagt hast.
Dank KI dauert dieser Feedback-Loop heute keine Wochen mehr, sondern vielleicht ein paar Stunden oder Tage.
Durch die kurze Zeit zwischen Anforderung und Ergebnis erkennen wir plötzlich, dass es oft nicht die Entwicklung ist, die irgendwo auf dem Weg zur Lösung falsch abbiegt: Claude und Codex spiegeln uns durch ihre „Arbeit“ unseren Input. Wer jetzt clever ist, schaut sich bei unerwartetem Output den Input noch einmal an und erkennt vielleicht: „Ah, ich verstehe, wie es dazu kommen konnte.“
Ich finde das total interessant: Durch KI bauen wir gerade überall Systeme, um die Erzeugung von Software geradliniger und „unmissverständlich“ zu machen. Die Probleme dahinter existieren aber nicht erst seit 2024, sondern schon immer. Der Unterschied ist, dass Kommunikation und Klarheit als Hauptprobleme greifbar und nachvollziehbar geworden sind.
Was wir im Umgang mit Codex und Claude lernen, lässt sich in jedem Bereich deiner Organisation anwenden:
- Mehrdeutigkeit erzeugt unvorhersehbare Ergebnisse.
- Information Overload erdrückt die ausführende Kraft.
- Nur weil man etwas tun kann, heißt das nicht, dass man es tun sollte oder muss.
Wer gerade viel experimentiert und erkennt, dass AI Coding Agents (fast) nur unser eigenes Verhalten spiegeln, kann seine Organisation produktiver und effizienter aufstellen. Ich hoffe, dass vielen Leuten dieses Jahr ein Licht aufgeht und wir die Rolle von Kommunikation in der Produktentwicklung viel stärker betonen.
Und alles, was es dann gebraucht hat, ist ein Chatfenster und eine ganze, ganze Menge Grafikkarten.
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