KI-Flut im App Store: Plane mindestens drei Wochen für den Review ein
Martin Zöller
Wer heute eine iOS-App veröffentlicht, muss wesentlich mehr Zeit als früher mitbringen und braucht Nerven wie Drahtseile.
Ich habe in den letzten acht Jahren einige Apps durch den App-Store-Review bei Apple gebracht, aber was ich aktuell erlebe, ist neu. Meine neue App soll Nicht-Muttersprachler in internationalen Teams bei der asynchronen Kommunikation auf Englisch unterstützen und wartet seit knapp zwei Wochen auf grünes Licht von Apple.
Ich bin es gewohnt, innerhalb von etwa zwei Tagen Feedback zu Ersteinreichungen zu bekommen. Apple wäre nicht Apple, wenn man dort beim ersten Versuch nicht immer etwas finden würde, das nachgearbeitet werden muss. Meistens bleibt es aber bei einer Feedbackschleife, und danach kann ich veröffentlichen.
Was ich jetzt erlebe, ist anders. Hier ein paar Beobachtungen:
- iOS-Apps warten wesentlich länger auf den Review als früher. Grund ist natürlich die Flut an KI-generierten Apps, die durch Claude Code, Cursor und Codex möglich geworden sind. Apple scheint seine Review-Teams nicht proportional vergrößert zu haben.
- Es scheint je nach Plattform unterschiedliche Review-Kapazitäten zu geben: Während meine iOS-App im Wartezimmer Däumchen dreht, hat man auf der macOS-Seite genügend Zeit, meine App dreimal abzulehnen.
- Warum wird eine App dreimal abgelehnt? Die Reviews scheinen teilweise beim ersten Finding abzubrechen, sodass weitere Probleme erst in späteren Durchläufen gefunden werden. Durchaus nachvollziehbar, auch wenn ich diese Form der Feedbackschleifen im eigenen Unternehmen immer als zentralen Produktivitätsblocker angesehen habe.
- Dieselben Guidelines werden unterschiedlich ausgelegt. Was bei iOS zur Ablehnung führt, bekommt bei macOS grünes Licht. Das ist erwartbares Rauschen zwischen einzelnen Prüfern. Nur: Wenn die Wartezeit gegenüber 2022 auf ein Vielfaches gestiegen ist, tut dieses Rauschen auch deutlich mehr weh.
Ich bin froh, dass es eine Plattform gibt, auf der nur Apps veröffentlicht werden, die es durch einen menschlichen Review-Prozess geschafft haben. Ich glaube nach wie vor daran, dass dieser Prozess die Qualität der Apps davor bewahrt, ins Bodenlose zu sinken.
Trotzdem muss man sich bewusst sein, welche Konsequenzen generative KI für diese Review-Prozesse hat. Ich muss gestehen, dass ich es etwas unterschätzt habe.
Früher habe ich Unternehmen empfohlen, „eine gute Woche“ für das Review-Hin-und-Her bei Apple einzuplanen. Heute würde ich sagen, dass der Puffer realistisch mindestens drei Wochen betragen sollte, zumindest nach meiner aktuellen Erfahrung und bei nichttrivialen Apps, also jenseits von To-Do-Listen, Habit-Trackern und Kalorienzählern.
Verwandte Artikel
Handverlesene Artikel zu eng verwandten Themen.
- 9 Wege, wie du eine Mobile-App-API verbesserst Im Laufe unseres ersten Jahres in Bangkok hat sich eine Gewohnheit entwickelt: Zum Abendessen schauen wir oft eine Folge von Gordon Ramsays „Kitchen Nightmares“. Ramsays raue Art und kreative Beleidigungen lockern die Atmosphäre nach einem langen Arbeitstag, auch wenn das, was er manchmal in den Küchen der Restaurants findet, durchaus den Appetit verderben kann.
- Der letzte Fastlane-Setup-Guide, den du brauchst — versprochen Wenn du seit mehr als ein paar Wochen Mobile Apps entwickelst, kennst du den Schmerz. Du startest ein Projekt, baust ein paar Features und führst es aus. Nach einigen Wochen wird das manuelle Bauen mühsam, also prüfst du die einzige wirkliche Option, um den Prozess zu automatisieren: Fastlane. Und während die anfängliche Einrichtung unkompliziert erscheint, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dein Terminal trotzdem mit rotem Text explodieren wird.
Updates zu Agentic Software Engineering bekommen
Lass dich benachrichtigen, wenn ich neue Insights über Agentic Coding in der Softwareentwicklung veröffentliche. Du kannst das jederzeit abbestellen.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben.